Liebe/r Leser:in, lieber achtsamer Pferdemensch,
das neue Jahr 2026 schreitet unaufhaltsam voran und es mangelt nicht an Herausforderungen. Nach wie vor geht es darum, Altes loszulassen, damit Neues kommen kann. Bei geliebten Menschen und Tieren fällt es uns jedoch besonders schwer. So ging es mir mit meinem Pferdefreund Dagfari. Dieser großen Seele widme ich nun diesen Newsletter.

Dagfari von St. Oswald, * 29.3.1996, +3.2.2026
Dagfari kam 2012 zu mir, weil ich im Reitunterricht eine Entlastung für Gambri suchte. Ich wünschte mir ein zuverlässiges, unkompliziertes, leicht zu reitendes Islandpferd, dem ich auch Anfänger anvertrauen konnte.
Meine Freundinnen Susanne und Kerstin kannten Dagfari und seine Besitzerin schon lange. Er sollte verkauft werden, weil seine Besitzerin körperlich nicht mehr in der Lage war, zu reiten. Susanne sagte zu mir: „Den kannst du ung‘schauter kaufen!“
Gegen alle Regeln der Vernunft, aber voller Vertrauen in die Einschätzung meiner Freundinnen, kaufte ich Dagfari – ohne ihn vorher gesehen oder probegeritten zu haben. Ich habe es nie bereut!!
Dagfari hat mein Leben und meine Herde bereichert.
Er war ein Professor, nicht nur im Reitunterricht. Er wählte stets ausdrucksstarke Schaubilder, um den Menschen seine Sicht der Dinge begreiflich zu machen und ihnen Lösungen anzubieten.
Er war ein zuverlässiges Wanderreitpferd, das vielen Menschen Freude bereitete.
Er war ein zuversichtlicher Patient, als er sich bei einer Rauferei das Griffelbein brach und nach langer Boxenruhe und Rekonvaleszenz wieder voll einsatzfähig war.
Gemeinsam mit Gambri war er der Pionier meines Angebotes der pferdegestützten Persönlichkeitsentwicklung und führte meine anderen Pferde in diese Aufgabe ein. Er liebte es, den Menschen zu begegnen und ihnen magische Momente zu bescheren.
In der Zeit, die Dagfari bei und mit mir verbrachte, folgte sein Leben definitiv einem roten Faden. Vertrauen entsteht durch Verbindung.
Außerhalb seiner Pferdegemeinschaft litt Dagfari unter großen Verlustängsten. Das war bereits ein Thema, als er zu mir kam und das änderte sich auch nicht. Aber aus dieser vermeintlich sehr großen Schwäche entstand auch seine größte Stärke und wurde in der Persönlichkeitsentwicklung erst richtig sichtbar.
Dagfari stellte sich in den Aufstellungen und Coachings vorwiegend solchen Menschen zur Verfügung, bei denen es um mangelndes Vertrauen ins Leben ging. Seine Stärke war die Zuversicht. Alles fügt sich, wenn man mit sich und dem Leben, dem Großen Ganzen in Verbindung ist. Ohne Verbindung kein Vertrauen. Dann kann man sich auch den traumatischen Erfahrungen annähern und findet eine neue Lösung im Umgang damit.
Dagfari – sein Name bedeutet „der am Tage reist“. Dieser Name war sicher seiner hellen, sonnigen Fellfarbe geschuldet. Aber dieser Name beschreibt auch seine innere Haltung. Auch in schwierigen Lebenssituationen zuversichtlich zu sein und zu bleiben. Darauf vertrauen, dass die Sonne auch nach dunklen Nächten, hinter Nebel und Wolken zuverlässig da ist. Sich nicht aufzugeben, auch wenns schwierig ist.
Bei unserer letzten gemeinsamen Reise, unserem Umzug Ende 2025 in meine steirische Heimat, konnte er diesbezüglich noch einmal über sich hinauswachsen. Als ich meine Pläne mit der Herde besprach, „sagte“ er: „Es ist immer schwer, wenn ein Pferd die Herde verlässt!“
Ich stimmte ihm zu, denn diese Erfahrung hatten wir schon öfters gemacht.
Aber er meinte nicht nur den Tod seiner langjährigen Wegbegleiter Sara, Falki und Gambri. Er sprach auch schon von sich selbst. Aber er wollte mich wohl noch weiterhin mit seiner Zuversicht begleiten, und um zu sehen, ob ich auch gut ankomme.
Ich versprach ihm und den beiden Stuten Messa und Vinkona, dass wir diesen Umzug gemeinsam bewältigen würden. Wir verluden die 3 Pferde in 2 Pferdehänger. Dagfari fuhr gemeinsam mit Messa und Vinkona hatte einen Hänger für sich. Bei jedem Zwischenstop auf der langen Reise prüfte Dagfari mein Versprechen. Er wieherte nach Vinkona und sie antwortete ihm. Das beruhigte ihn. Die Verbindung hielt, das Vertrauen war da.
Für mich war dieser Umzug eine riesige Herausforderung, denn ich schlug ein völlig neues Kapitel in meinem Leben auf. Ich musste darauf vertrauen, dass sich alles zum Guten wendet. An manchen Tagen fiel es mir sehr schwer, zuversichtlich zu sein und die Spur zu halten. Doch rückblickend kann ich sagen, dass die Entscheidung, diesen Schritt ins Ungewisse zu wagen, vom Leben belohnt wurde. Alles hat sich wunderbar gefügt. Das Leben meint es gut mit mir.
Meine neue innere Haltung, meine Hingabe ans Leben und mein Vertrauen in Unterstützung zur rechten Zeit, wurde von Dagfari bemerkt. Der Professor war zufrieden. Ich hatte seine zuversichtliche Haltung jetzt auch in mein Leben integriert. Seine Aufgabe mit mir war erfüllt. Nun konnte er gehen und die Dimension wechseln.
Danke Dagfari für dein Sein und deine zuversichtliche Begleitung!!!

Seine „Mädels“ Messa und Vinkona und ich sind – gemeinsam mit der neuen Herde – weiterhin für dich und deine Herausforderungen da.
Herzliche Grüße, Waltraud


