Veröffentlicht 2020 in „Lesen für den Frieden“,
Hrg. Chiemgau-Autoren e.V., ISBN: 9783752627817
Frauen und Kinder sind die meist unschuldigen Opfer der vorwiegend von Männern geführten Kriege und dies hören wir als Rechtfertigung:
„… um unserem Heim und unseren Frauen den Frieden zu erhalten,
ziehen wir Männer ja in den Krieg“
aus „Die Waffen nieder!“ (1889) von Bertha von Suttner
(Als erste Frau erhielt Bertha von Suttner den Friedensnobelpreis – für ihren Roman „Die Waffen nieder!“ und ihren unermüdlichen Einsatz für den Frieden. 1905)
All diese Kriege und all das, was es mit den Frauen und Kindern gemacht hat, gaben und geben sie weiter, von Generation zu Generation. Sie beeinflussen unseren Blick aufs Leben und wie wir damit umgehen. Im kollektiven Familien-Bewusstsein sind diese traumatischen Erfahrungen abgespeichert und hindern uns daran, uns frei zu entfalten. Meine Kriegsenkel-Generation leidet noch immer unter den traumatischen Erlebnissen unserer Väter, Mütter und Großeltern.
„Was macht der Krieg noch heute mit mir?“
Mit dieser Frage ging ich zu den Pferden. Pferde bewerten uns nicht. Sie machen nur das sichtbar, was uns noch nicht bewusst ist. Für Pferde sind Gefühle einfach nur Informationen, weder gut noch schlecht. Pferde haben jederzeit Zugang zum kollektiven Unterbewusstsein. Auf dieser Ebene können wir mit den Pferden kommunizieren, hier ‚sprechen‘ sie mit uns in Form von Bildern, Gefühlen, Gedanken oder Gewissheiten.
Ich suchte ‚meinen‘ Platz auf der riesigen Weide und fühlte mich dort in meinen Körper ein. Meine Beine fühlten sich plötzlich ganz schwach an. Ich hatte Mühe, nicht einzuknicken. Eine große Traurigkeit überwältigte mich und ich musste weinen. Es gab so viele Opfer in diesem Krieg. Es gab so viele Leidtragende. Und es wurden auch viele Opfer gebracht. All diese Opfer wollten endlich angenommen werden.
Die Schwere zog mich nach vorne und nach unten. Ich musste meine ganze Kraft zusammennehmen, um nicht nach vorne zu kippen. Ich fragte mich, was denn gegen diese Schwere helfen würde, die wie ein Mühlstein um meinen Hals hing?
Ein Schmetterling flog vorbei, ein Pferd furzte. Ich lächelte und dachte: „Ich darf das loslassen, was nicht zu mir gehört!“
Doch sofort wurde ich wieder ernst: „Darf ich das?“
Meine Beine fühlten sich nun wieder stabil an. In Zickzacklinien bewegte ich mich auf das zweite Pferd zu. Es fühlte sich wie ein langsamer, zögernd begonnener Tanz an.
Ich dachte: „Darf ich tanzen und mich am Leben freuen mit dem Wissen um all die Opfer?“
Das Pferd wandte sich mir zu, es ‚sagte‘: „Das Gras ist lecker. Es riecht frisch und schmeckt gut. Was spricht dagegen, zu grasen? Gras ist Nahrung und Nahrung bedeutet Leben! Nimm das Leben und genieße es – sonst wären all die Opfer umsonst gewesen!“
All die Schwere fiel von mir ab. Nun fühlte ich mich frei, mein Leben neu zu entdecken, und FRIEDEN breitete sich in mir aus.
